Ablauf & Kosten
Nach Ihrer Anfrage und ggf. erstem Austausch per Mail oder Telefon vereinbaren wir ein persönliches Kennenlernen. Das Erstgespräch dient der Erfassung Ihrer Symptomatik, Themen und Vorstellungen. Hier werden wir uns gemeinsam auch einen Überblick verschaffen, was die Schwerpunkte der Psychotherapie sein könnten. Ebenso gebe ich eine erste Einschätzung zum Behandlungsablauf, Diagnose sowie auch Indikationen und Notwendigkeiten ab.
Formalia
Sollten Sie und ich uns für eine Fortführung des Kennenlernprozesses entscheiden, so stehen weitere Sitzungen für den Aufbau einer Arbeitsbeziehung zur Verfügung. Die Anzahl und das Vorgehen hängt von Ihrer Krankenkasse ab. In der Regel ist es so, dass wir 3 Sprechstunden und 5 Probatoriksitzungen zur Verfügung haben, welche Antragsfrei sind und bei der PKV/Beihilfe von Ihnen eingereicht und übernommen werden. Danach hängt das Kontingent von Ihrem Vertrag und den Konditionen mit Ihrer PKV/Beihilfe ab. In der Regel können 24 Sitzungen Kurzzeittherapie nach vorheriger Anzeige bei der PKV/Beihilfe durchgeführt werden, daran anschließend können nochmal weitere 36 Sitzungen Langzeittherapie durch einen von mir erstellten Antrag/Gutachten beantragt werden, sofern eine weitere Therapie indiziert ist. Bitte erkundigen Sie sich bei Ihrer PKV/Beihilfe nach Ihren Konditionen und holen Sie die notwendigen Unterlagen zeitnah ein.
Private Krankenversicherung und Beihilfe
Die Kosten richten sich nach der Gebührenordnung für Psychotherapeut*innen (GOP). Untenstehend finden Sie die die antragsfreien Abrechnungsziffern:
812S Erstgespräch / Sprechstunde, 50 Minuten, bis zu 3x, 134,06€
870, 801A Probatorik, 50 Min, bis zu 5x 134,07€
855A Diagnostische Tests, 75,75€
860 Biografische Anamnese 123,34€
808 Therapieeinleitung, Antragsstellung, pro Stunde 53,62€
Anzeigepflichtig
812A, 801A Kurzzeittherapiesitzung, 50 Minuten, inkl. Psych. Befund, bis zu 24x, 167,58€
Antragspflichtig
870, 801A Langzeittherapiesitzung, 50 Min, inkl. Psych. Befund, bis zu 6x
134,07€
Selbstzahler*innen
Die Kosten richten sich nach der Gebührenordnung für Psychotherapeut*innen (GOP) und werden im persönlichen Gespräch mit Ihnen besprochen.
Gesetzlich Versicherte
Als reine Privatpraxis kann ich leider nicht mit den gesetzlichen Krankenkassen abrechen. Kostenerstattungsverfahren biete ich mittlerweile nicht mehr an.
Beziehungsaufbau
Die Probatorik dient also der gemeinsamen Erarbeitung eines Entstehungsmodells und Behandlungsplan. Hierbei ist es einerseits wichtig, dass wir beide uns kennenlernen und in Ihre Geschichte "eintauchen". Das Große und Ganze werden wir aber erst im Verlauf der gesamten Therapie erfassen können. Auch ist es "normal", dass sich Wege, Ziele und Schwerpunkte in einer Therapie mal ändern. In einer Psychotherapie in meiner Praxis ist es mir wichtig, dass wir kein Manual abarbeiten oder nach Schema F vorgehen. Zwar bediene ich mich stets wissenschaftlichen Methoden und Standards, in erster Linie arbeiten wir aber stets, womit Sie in die Sitzung kommen und was Ihr Anliegen bzw. Ihr Ziel ist. Manchmal kommen Sie auch zum Termin, und wissen vielleicht noch gar nicht genau, worum es gehen könnte. Dann arbeiten wir es gemeinsam heraus. Das Eigentliche passiert zwischen den Sitzungen, in ihrem Lebensalltag. Sie werden nach und nach merken, dass das in den Sitzungen Besprochene in Ihnen arbeitet und etwas mit Ihnen macht, verändert und neue Blickwinkel auftauchen lässt. Das wiederum kann manchmal auch schmerzhaft und verunsichernd sein - dieser Prozess gehört zur Psychotherapie dazu, wenn wir Themen "durcharbeiten". D.h. manche Verhaltensweisen, die immer für Sie Teil Ihres Lebens waren, stellen Sie plötzlich möglicherweise auch in Frage. Vielleicht probieren Sie dann auch mal was anderes aus, vielleicht "schmeckt" das Menschen in Ihrem Bekanntenkreis dann auch mal nicht. Das alles sind sogenannte "Nebenwirkungen" einer Psychotherapie - auch, dass es Ihnen nach einer Sitzung mal schlechter gehen kann, gehört dazu. Ich vergleiche das mit einem Muskelkater nach einer Sporteinheit, der zeigt, dass der Körper und die Muskeln arbeiten. Ähnlich ist es auch in einer Psychotherapie, es arbeiten Körper, Seele und Geist auf einmal. Aber dieser Muskelkater wird nach und nach weniger. Und vor allem werden Sie entscheiden, mit welchen alternativen bzw. neuen Verhaltensweisen und Gefühlen Sie leben möchten. Und das ist das, was ein großes Ziel in der Psychotherapie sein soll: mehr Freiheit im Denken, Fühlen und Handeln zu erlangen.
Dauer einer Psychotherapie
Eine Psychotherapie dauert, je nach Frequenz ca. 1 bis 4 Jahre. Wir sehen uns je nach Problemintensität und auch Terminübereinkommen ca. 1x wöchentlich oder 2x monatlich. Bei zunehmender Stabilität wird die Sitzungsfrequenz dann ausgedehnt, zum Ende hin kann das auch auf bspw. alle 3 Monate und größer sein, um eine Rückfallprophylaxe einzubauen. Übrigens: Rückfälle gehören dazu! Sie dürfen sein und dafür brauchen Sie sich nicht schämen. Wir arbeiten damit.
Psychotherapieverfahren
Von meiner Grundausbildung her bin ich ausgebildeter Verhaltenstherapeut. Im Laufe meiner beruflichen Laufbahn haben mich die tiefenpsychologischen sowie systemischen Ansätze sehr geprägt. Mir ist ein interaktionelles Arbeiten in den Sitzungen wichtig, ich fokussiere mit Ihnen ihre Bindungs- und Beziehungserfahrungen. Ihre aktuelle Situation betrachten wir vor dem Hintergrund Ihrer Lebensgeschichte. In der Schematherapie habe ich dabei einen aus meiner Sicht sehr wirksamen und verschiedene Ausrichtungen berücksichtigen Ansatz gefunden. Im Folgenden gebe ich einen Überblick zu den verschiedenen Verfahren:
Kognitive Verhaltenstherapie
Die kognitive Verhaltenstherapie ist ein wissenschaftlich anerkanntes Verfahren der Psychotherapie. Sie geht davon aus, dass psychisches Erleben und Verhalten maßgeblich durch Gedanken, Bewertungen und Überzeugungen beeinflusst werden. Belastende Emotionen, problematische Verhaltensmuster und psychische Symptome entstehen demnach häufig aus dysfunktionalen Denk- und Verhaltensweisen, die in der Therapie identifiziert und gezielt verändert werden.
Zentrale Elemente der kognitiven Verhaltenstherapie sind:
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Verhaltensanalyse und Zielklärung: Im therapeutischen Prozess werden individuelle Auslöser, aufrechterhaltende Faktoren und Zusammenhänge zwischen Gedanken, Gefühlen, Körperreaktionen und Verhalten gemeinsam herausgearbeitet.
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Kognitive Umstrukturierung: Belastende Denkmuster, sogenannte automatische Gedanken und tief verankerte Grundannahmen, werden hinterfragt. Ziel ist es, realistischere und hilfreichere Sichtweisen zu entwickeln.
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Verhaltensänderung und Exposition: Neue Handlungsstrategien und Problemlösefertigkeiten werden eingeübt. Bei Ängsten oder Vermeidungsverhalten kommen häufig Konfrontationsverfahren zum Einsatz, um Sicherheit im Umgang mit belastenden Situationen zu gewinnen.
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Ressourcenaktivierung: Neben der Bearbeitung von Problemen wird gezielt auf vorhandene Stärken und Ressourcen zurückgegriffen, um Selbstwirksamkeit und Zuversicht zu fördern.
Die kognitive Verhaltenstherapie ist lösungsorientiert, transparent und auf die aktive Mitarbeit der Patient*innen ausgerichtet.
Schematherapie
Schematherapie ist eine erweiterte Form der Verhaltenstherapie, welche als integratives Verfahren die Gestalttherapie und tiefenpsychologische Therapie sowie wichtige Erkenntnisse der Bindungstheorie integriert. Sie konzentriert sich auf tief verwurzelte Muster oder "Schemata", die unser Verhalten und unsere Emotionen beeinflussen. Diese Schemata entstehen oft in der Kindheit und können unser Leben lang bestehen bleiben.
Zentrale Annahme ist, dass in der Kindheit und Jugend sogenannte Schemata entstehen: tief verwurzelte Muster aus Erinnerungen, Gefühlen, Gedanken und Körperempfindungen. Diese Schemata entwickeln sich, wenn zentrale Bedürfnisse – wie Sicherheit, Liebe, Autonomie oder Anerkennung – nicht ausreichend erfüllt wurden. Werden sie in aktuellen Situationen aktiviert, lösen sie intensive Emotionen und dysfunktionale Verhaltensmuster aus.
Die Schematherapie arbeitet mit vier zentralen Konzepten:
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Maladaptive Schemata: Frühe Muster, die sich in belastenden Gefühlen und negativen Überzeugungen über sich selbst und andere zeigen.
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Modi: Momentane innere Zustände oder Anteile (z. B. verletztes Kind, wütendes Kind, bestrafender Elternmodus, gesunder Erwachsenenmodus), die das Erleben steuern.
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Grundbedürfnisse: Alle Menschen haben fundamentale emotionale Bedürfnisse nach Bindung, Autonomie, realistischen Grenzen, Selbstwert und Spontaneität.
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Bewältigungsstile: Strategien, mit denen Betroffene versuchen, mit aktivierten Schemata umzugehen (z. B. Vermeidung, Unterwerfung, Überkompensation).
Therapeutisch kommen unterschiedliche Methoden zum Einsatz:
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Kognitive Techniken: Dysfunktionale Gedanken werden erkannt und herausgefordert.
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Erlebnis- und Imaginationsverfahren: In Imaginationsübungen wird z. B. das verletzte Kind mitfühlend versorgt und korrigierende emotionale Erfahrungen werden ermöglicht.
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Verhaltensbezogene Ansätze: Neue, gesündere Verhaltensweisen werden eingeübt.
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Beziehungsorientierung (Limited Reparenting): Die therapeutische Beziehung dient als korrigierende Erfahrung, um emotionale Grundbedürfnisse angemessen zu erfüllen.
Ziel der Schematherapie ist es, dysfunktionale Muster besser zu verstehen, sie zu verändern und stärkende innere Anteile aufzubauen. Patient*innen lernen, fürsorglicher mit sich selbst umzugehen und angemessene Bewältigungsstrategien zu entwickeln.
Tiefenpsychologische Psychotherapie
Die tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie ist ein wissenschaftlich anerkanntes Verfahren, das aus der Psychoanalyse hervorgegangen ist. Sie basiert auf der Annahme, dass unbewusste Konflikte, nicht verarbeitete Beziehungserfahrungen und innere Muster das Erleben und Verhalten eines Menschen wesentlich prägen können. Solche unbewussten Anteile können zu psychischen Symptomen, wiederkehrenden Belastungen in Beziehungen oder chronischen Gefühlen von Minderwertigkeit führen.
Im Zentrum der Therapie steht die gemeinsame Bearbeitung dieser inneren Konflikte und Beziehungsmuster. Die therapeutische Beziehung wird dabei als wichtiger Wirkfaktor genutzt, da sich alte Beziehungserfahrungen oft in der Interaktion mit der Therapeut*in widerspiegeln.
Kernmerkmale der tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie sind:
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Fokus auf aktuelle Konflikte: Es wird vor allem an den heute wirksamen inneren Konflikten und Belastungen gearbeitet, nicht ausschließlich an der Kindheit.
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Verstehen unbewusster Prozesse: Symptome werden als Ausdruck innerpsychischer Spannungen gesehen, die bewusst gemacht und verstanden werden sollen.
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Klärung wiederkehrender Beziehungsmuster: Schwierigkeiten in Beziehungen werden untersucht, um alte Muster zu erkennen und zu verändern.
Ziel ist es, die Zusammenhänge zwischen biografischen Prägungen und aktuellen Konflikten zu verstehen, mehr innere Freiheit zu gewinnen und das psychische Gleichgewicht nachhaltig zu stärken.
Systemische Psychotherapie
Die systemische Psychotherapie betrachtet psychische Symptome nicht isoliert, sondern immer im Zusammenhang der Beziehungen und sozialen Systeme, in denen ein Mensch lebt. Dazu zählen Familie, Partnerschaft, berufliches Umfeld und weitere soziale Kontexte. Probleme werden als Ausdruck von Mustern in der Kommunikation und Beziehungsgestaltung verstanden, die oft unbewusst aufrechterhalten werden.
Zentrale Grundannahmen:
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Systemische Perspektive: Schwierigkeiten entstehen und bestehen im Zusammenwirken von Individuum und System. Sie erfüllen oft eine Funktion, z. B. Stabilisierung von Beziehungen oder Rollen.
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Ressourcenorientierung: Neben Problemanalyse liegt ein starker Fokus auf Ressourcen, Stärken und vorhandenen Fähigkeiten.
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Zirkularität: Wechselwirkungen werden in den Blick genommen, nicht lineare Ursache-Wirkungs-Modelle.
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Multiperspektivität: Verschiedene Sichtweisen auf ein Problem werden berücksichtigt und gewürdigt.
Psychoanalyse
Die Psychoanalyse ist das älteste psychodynamische Psychotherapieverfahren. Sie wurde von Sigmund Freud entwickelt und bildet die theoretische Grundlage vieler moderner Therapierichtungen. Die Psychoanalyse geht davon aus, dass unbewusste Wünsche, Konflikte und verdrängte Erlebnisse das psychische Erleben, Denken und Handeln in entscheidendem Maß beeinflussen.
Zentrales Anliegen der Psychoanalyse ist es, diese unbewussten Prozesse bewusst zu machen und zu verstehen. Dadurch können Symptome, Beziehungskonflikte oder innere Blockaden langfristig gelöst werden.
Kernprinzipien der Psychoanalyse:
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Unbewusste Konflikte: Innere Spannungen entstehen häufig durch Widersprüche zwischen Bedürfnissen, moralischen Ansprüchen und der Realität. Diese Konflikte wirken im Verborgenen weiter und äußern sich in Symptomen oder wiederkehrenden Lebensmustern.
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Übertragung und Gegenübertragung: Gefühle und Erwartungen aus früheren Beziehungserfahrungen werden auf die Therapeutin übertragen (Übertragung). Die Therapeutin nutzt auch die eigenen emotionalen Reaktionen (Gegenübertragung), um die Dynamik zu verstehen.
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Deutung: Durch das gemeinsame Analysieren von Träumen, Fantasien, unbewussten Einfällen und Beziehungserfahrungen werden innere Muster erkannt.
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Freie Assoziation: Patient*innen werden eingeladen, ihre Gedanken möglichst frei und unzensiert mitzuteilen, um Zugang zu unbewussten Inhalten zu gewinnen.
Die klassische Psychoanalyse unterscheidet sich von anderen Verfahren durch den intensiven Rahmen:
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Sie findet in der Regel mehrmals pro Woche statt.
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Die Psychoanalyse findet entweder im Sitzen oder im Liegen statt.
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Die*der Psychoanalystiker*in bleibt weitgehend neutral und zurückhaltend, um Projektionen und Übertragungen Raum zu geben.
Praktische Tipps für den Therapieprozess
Der Therapieprozess kann herausfordernd sein. Hier sind einige Tipps, die Ihnen helfen können:
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Seien Sie offen: Teilen Sie Ihre Gedanken und Gefühle ehrlich mit.
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Setzen Sie realistische Ziele: Kleine, erreichbare Ziele helfen Ihnen, motiviert zu bleiben.
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Seien Sie geduldig: Veränderungen brauchen Zeit. Seien Sie geduldig mit sich selbst.
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Üben Sie zwischen den Sitzungen: Wenden Sie das Gelernte im Alltag an.
Häufige Missverständnisse über Therapie
Es gibt viele Missverständnisse über Therapie. Hier sind einige der häufigsten:
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Therapie ist nur für "schwere" Probleme: Viele Menschen profitieren von Therapie, auch wenn sie keine schweren Probleme haben.
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Therapie ist eine einmalige Lösung: Therapie ist ein Prozess, der Zeit und Engagement erfordert.
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Therapeuten geben nur Ratschläge: Ein guter Therapeut hilft Ihnen, Ihre eigenen Lösungen zu finden.
